Wie wird Uran zur Energiequelle?

Sämtliche Materie besteht aus Atomen, die aus einem Kern aus Protonen und Neutronen gebildet werden. Um diesen Kern kreisen Elektronen. Die Kerne schwerer Atome, etwa von Uran, werden in einem Kernreaktor mit Neutronen beschossen, wodurch sie sich spalten und Wärme freigesetzt wird. In einem Kernreaktor geschieht dies kontrolliert, wobei nach jeder Spaltung nur ein neues Neutron eine weitere Spaltung verursacht. Der Überschuss an Neutronen, die im Reaktor freigesetzt werden, muss daher beseitigt werden. Indem man dem Wasser, das durch den Reaktorbehälter strömt, Borsäure beifügt und Steuerstäbe in den Reaktorbehälter einführt, kann man Neutronen absorbieren und die Reaktion steuern. Wenn alle Steuerstäbe gleichzeitig in den Reaktor fallen, stoppt die Reaktion innerhalb von 1,3 Sekunden. Die vollständige Spaltung von 1 kg Uran-235 liefert dieselbe Menge thermischer Energie wie die Verbrennung von 3 Millionen Kilogramm Steinkohle.

Wie viel Uran ist auf der Welt verfügbar?

Die Uranreserven in den Ozeanen sind gigantisch. Die heutigen Techniken für die Gewinnung aus dem Meer sind derzeit jedoch wirtschaftlich noch nicht realisierbar. Heute ist es daher nur möglich, Uran aus Erzen mit hoher Konzentration zu gewinnen. Wenn wir uns auf die bekannten Vorkommen von Erzen mit hoher Konzentration in den Minen und auf die aktuelle Stromproduktion in den Kernkraftwerken basieren, wären die Reserven innerhalb von etwa 100 Jahren aufgebraucht. Auch aus diesem Grund ist es notwendig, längerfristig Alternativen zu den heutigen Kernkraftwerken zu suchen. Kurzfristig können sie sicherlich noch eine wichtige Rolle in einer sicheren und zuverlässigen Energieversorgung für Belgien spielen, aber ENGIE Electrabel ist langfristig fest von einer Zukunft mit mehr erneuerbarer Energie überzeugt! 

Wie lässt sich Radioaktivität anwenden?

Wir alle kennen die Anwendung von Kernenergie für die Stromerzeugung, aber Radioaktivität spielt auch in zahlreichen anderen Aspekten unseres täglichen Lebens eine Rolle. Einige Beispiele …

  • Silizium kommt frei im Boden vor. Es wird in einem nuklearen Forschungsreaktor „dotiert“, um anschließend beispielsweise in Windturbinen, Solarpaneelen oder Hybridfahrzeugen verwendet zu werden.
  • In Belgien werden in der Lebensmittelindustrie jährlich mehrere tausend Tonnen Nahrungsmittel radioaktiv behandelt, um Krankheitskeime abzutöten.
  • Kerntechnologie kann helfen, den Einsatz von Pestiziden zu verringern. Um Schadinsekten zu bekämpfen, werden männliche Insekten mit Gammastrahlen sterilisiert und freigelassen. Nach einiger Zeit geht die Insektenpopulation zurück, sodass sie keine Gefahr mehr darstellt.
  • Jedes Jahr verdanken weltweit viele Millionen Menschen ihre Diagnose und ihre Behandlung der Nuklearmedizin. Dank der modernen medizinischen Bildgebungsverfahren kann man heute Abweichungen entdecken, die sich mit anderen Untersuchungen nicht feststellen lassen.
  • Die Nuklearmedizin wird auch für therapeutische Zwecke eingesetzt, unter anderem bei der Bekämpfung verschiedener Krebsarten.
  • Mit der Hilfe der Kerntechnologie ist es unter anderem möglich, die unterirdischen Wasservorräte besser zu erfassen.
  • Kerntechnologie wird in fast allen großen Industriezweigen für die Erkennung von Feuer oder Sprengstoffen eingesetzt, beispielsweise in Röntgen-Scannern in Flughäfen.
  • Dank Kerntechnologie verfügen Raumsonden über einen starken Antrieb, wenn sie sehr weit von einem Stern entfernt sind, der Licht für die Solarpaneele liefert.
  • Die Energieversorgung von Satelliten stammt aus Akkus, die auf der Grundlage kleiner radioaktiver Quellen arbeiten. Sie sind sehr kompakt und funktionieren mehrere Jahre lang wartungsfrei.