Sind Tihange 1 und Doel 1 und 2 für die Versorgungssicherheit unseres Landes notwendig?

Versorgungssicherheit muss mittel- und langfristig betrachtet werden. Weil Belgien zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit immer stärker vom Import von Elektrizität abhängig ist, müssen wir auch die Entwicklung der Produktionsmittel in den Nachbarländern berücksichtigen.

 

Was stellen wir dabei fest? Unsere Nachbarländer werden in den kommenden Jahren immer weniger Überschusskapazitäten für den Export nach Belgien haben. Die Niederlande werden ihren Export nach Belgien ab dem Jahr 2019 möglicherweise stoppen oder verringern müssen. Auch was den Einsatz der erneuerbaren Energiequellen Wind und Sonne betrifft, bleibt immer eine gewisse Unsicherheit. Weder die Verfügbarkeit eines Produktionsparks noch das Wetter lassen sich exakt vorhersagen. Perioden mit wenig Wind oder Sonne und auch Kältewellen sind jederzeit möglich und dann wird viel weniger erneuerbare Energie produziert. Aus allen diesen Gründen sind Tihange 1 und Doel 1 und 2 heute und in naher Zukunft für die Gewährleistung der Versorgung notwendig. ENGIE Electrabel glaubt fest an die Energiewende zu mehr erneuerbarer Energie. Aber bis Belgien eine klare, konkrete langfristige Energievision entwickelt hat und ein stabiles Investitionsklima besteht, brauchen wir Kernkraftwerke.

Warum musste das Gesetz geändert werden, um Doel 1 und 2 länger am Netz zu lassen?

Die Entscheidung, die Kernkraftwerke länger am Netz zu lassen, ist eine rein politische. Im Jahr 2003 verabschiedete das Föderalparlament ein Gesetz über die Schließung der Kernkraftwerke Doel und Tihange, 40 Jahre nach Inbetriebnahme. Sowohl für Doel 1 und Doel 2 als auch für Tihange 1 bedeutete dies, dass sie 2015 geschlossen werden sollten. Dieses Gesetz sah jedoch auch vor, dass durch die Schließung die Energieversorgung nicht gefährdet werden durfte.

 

Zwischen 2009 und 2012 bereitete ENGIE Electrabel ein technisches Dossier vor, um die Verlängerung der Laufzeit der beiden Kraftwerke um zehn Jahre zu erreichen. 2012 erteilte die FANC nach gründlicher Evaluierung ihre Genehmigung für beide Dossiers. Unmittelbar danach beschloss die damalige Regierung jedoch, nur Tihange 1 länger am Netz zu lassen. Die Folge: ENGIE Electrabel leitete den Abbau von Doel 1 und 2 ein. Diese Vorbereitungen liefen bis in das Jahr 2014, als die Regierung Michel 1 eine mögliche erneute Inbetriebnahme in die Regierungsvereinbarung aufnahm. Letzten Endes wurde Mitte 2015 die Änderung des Gesetzes über den Atomausstieg angenommen, sodass Doel 1 und 2 bis 2025 in Betrieb bleiben können.

Sind Tihange 1 und Doel 1 und 2 für den Betrieb bis 2025 geeignet?

Die Verlängerung der Laufzeit von Tihange 1 und Doel 1 und 2 bedeutet permanente Investitionen in die Anlagen, um sie über die gesamte Laufzeit in einwandfreiem Zustand zu halten. Im Rahmen der Laufzeitverlängerung werden etliche umfangreiche Arbeiten und Investitionen durchgeführt: Unter anderem der Austausch diverser Transformatoren, der Ersatz von Steuerungssystemen und eine große Renovierung der Turbinen. Insgesamt ging dies für die Kraftwerke Doel und Tihange mit Investitionen von rund 1,3 Milliarden Euro einher. Aber auch nach Abschluss der Projekte im Rahmen der Laufzeitverlängerung müssen die Anlagen ständig überwacht und in Stand gehalten werden.

Wie steht es mit der Forderung der Nachbarländer nach mehr Mitbestimmung bei der Laufzeitverlängerung?

In den vergangenen Jahren wurden etwa in den Niederlanden Stimmen laut, die Mitbestimmung bei der Entscheidung über die Verlängerung der Laufzeit der belgischen Kernkraftwerke forderten. In einem Europa der offenen Grenzen ist das verständlich, aber die Betriebsmodalitäten der belgischen Kernkraftwerke sind gemäß belgischer Gesetzgebung gesetzlich festgelegt. Eine Mitsprache der Nachbarländer ist dabei momentan nicht vorgesehen. Umgekehrt gilt dies übrigens auch: In den Niederlanden wurde beispielsweise für das Kernkraftwerk Borssele bereits früher eine Laufzeitverlängerung von 20 Jahren genehmigt. Dieses Kraftwerk liegt nicht weit von der belgischen Grenze entfernt, aber auch die niederländische Gesetzgebung sieht keine Mitsprache der Nachbarländer vor.

Wie außergewöhnlich ist eine Laufzeitverlängerung?

Die Schließung von Kernkraftwerken nach 40 Jahren Betrieb ist eine gesellschaftliche und politische Entscheidung, keine technische Notwendigkeit. Doel 1 und 2 sind nicht mehr die Kraftwerke von vor 40 Jahren, sie wurden im Laufe der Zeit permanent aktualisiert und modernisiert. Sie erfüllen die heutigen strengen Normen.

 

Die Laufzeitverlängerung ist übrigens überhaupt nicht ungewöhnlich. Von den 438 Reaktoren, die weltweit in Betrieb sind, haben 63 das Alter von 40 Jahren oder mehr erreicht. Dies gilt unter anderem für das Kraftwerk Borssele in den Niederlanden, Beznau in der Schweiz, Ringhals in Schweden und mehr als 30 Kernkraftwerke in den Vereinigten Staaten. Auf der ganzen Welt ist die Verlängerung der Betriebsdauer von Kernkraftwerken auf bis zu 60 Jahre gängige Praxis.

 

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