Warum hören wir so viel über Kraftwerke, die abgeschaltet werden?

Die belgischen Kernkraftwerke sind in letzter Zeit häufiger in den Nachrichten. Erstens aufgrund einiger aktueller politischer Dossiers, etwa in Zusammenhang mit der Laufzeitverlängerung von Doel 1 und 2. Dies bewirkt, dass ein größeres Interesse an unseren Aktivitäten besteht, auch seitens der Medien. Zweitens sind wir in den letzten Jahren noch offener, was die Kommunikation in Zusammenhang mit unseren Kernkraftwerken betrifft. Auf der „Transparency“ Website von ENGIE lässt sich der Status der einzelnen Kraftwerke jetzt genau verfolgen. Viele Nachrichtenagenturen konsultieren diese Website regelmäßig, sodass Entwicklungen in den Kernkraftwerken auch stärker in den Blickpunkt gerückt werden.

 

Alle diese Aspekte sorgen zusammengenommen dafür, dass es mehr Berichterstattung über unsere Kernkraftwerke gibt. Wir verstehen, dass die Menschen sich in diesem Zusammenhang Fragen stellen, aber Beunruhigung ist überhaupt nicht nötig. Weltweit geht man davon aus, dass ein automatischer Stopp pro Jahr und Kernkraftwerk ein Durchschnitt ist. Die Tatsache, dass ein Kernkraftwerk sich bei der kleinsten Unregelmäßigkeit abschaltet, zeigt eigentlich schon, dass die Sicherheitssysteme funktionieren. In Belgien haben wir 7 Reaktoren. Es ist also absolut folgerichtig, dass man mehrere Male im Jahr hört, dass ein Kraftwerk abschaltet. Das ist in unseren Nachbarländern, die Kernkraftwerke betreiben, nicht anders.

Wie wird die Sicherheit der Kernkraftwerke gewährleistet?

Durch eine wirksame und intensive Sicherheitspolitik, die sich auf die Vermeidung unerwarteter Ereignisse durch gründliche Wartung unserer Anlagen, durch sinnvolle Arbeitsweisen und Verfahren und durch gut geschulte und trainierte Mitarbeiter richtet.

 

Und durch effektive und angemessene Reaktion auf mögliche Abweichungen. Eine automatische Abschaltung eines Kraftwerks legt eigentlich den Schluss nahe, dass die Sicherheitsmechanismen in unseren Kraftwerken perfekt funktionieren. Vor der Inbetriebnahme eines Kraftwerks werden alle Sicherheitssysteme gründlich getestet und inspiziert, sodass sie bei der kleinsten Unregelmäßigkeit das Kraftwerk unter allen Umständen effektiv in einem sicheren Zustand halten können.

 

Der Kernkraftsektor ist daher der meistkontrollierte und -geprüfte Industriezweig. Jährlich empfangen die Betriebe Doel und Tihange im Durchschnitt 50 Audit- oder Prüfungsteams. Ein Teil dieser Audits sind vorgeschriebene Kontrollen, aber wir bitten auch von uns aus proaktiv internationale Organisationen, unsere Anlagen und Verfahren regelmäßig unter die Lupe zu nehmen. Auf diese Weise können wir garantieren, dass wir permanent an der laufenden Verbesserung unseres Betriebes arbeiten und die strengsten internationalen Normen erfüllen.

 

Wichtig zu wissen ist auch, dass die belgische föderale nukleare Aufsichtsbehörde, FANC permanent befugte Inspekteure in unsere Betriebe entsendet. Sie haben Zugang zu allen unseren Dokumenten, Analysen und Berichten. Die FANC beaufsichtigt die Sicherheit unserer Anlagen genau. Sie kennt den Status unserer Einheiten und kommuniziert darüber auch ganz öffentlich.

Was sind INES-Meldungen?

INES (International Nuclear Event Scale) ist eine Skala, anhand derer sich die Schwere eines Ereignisses, an dem Quellen ionisierender Strahlung beteiligt sind, leichter einordnen lässt.

 

Alle Ereignisse, an denen Quellen ionisierender Strahlung beteiligt sind und die Auswirkungen auf die Sicherheit von Mensch und Umwelt haben oder haben können, lassen sich auf der INES-Skala in 7 Stufen (von 1 bis 7) einteilen. Die Skala beinhaltet ein sehr breites Spektrum von Ereignissen, von der verspäteten Durchführung eines Tests bis hin zu einem ernsten Unfall in einem Kernkraftwerk.

 

Die INES-Skala, die ursprünglich für die großen Nuklearanlagen entwickelt wurde, wurde in den Jahren 2008 bis 2009 gründlich überarbeitet und wird nun auch auf kleinere Nuklearanlagen sowie auf industrielle Aktivitäten mit radioaktiven Quellen und Transporte angewandt. Die INES-Meldungen zu allen belgischen Nuklearanlagen können über die Website der FANC auf www.fanc.fgov.be eingesehen werden.

Wurden nach den Ereignissen in Fukushima zusätzliche Maßnahmen getroffen?

2011 ereignete sich vor der japanischen Küste ein schweres Erdbeben. Der darauf folgende Tsunami richtete enorme Schäden an, wobei unter anderem das Kernkraftwerk Fukushima betroffen war. Daraufhin erlegte die Europäische Kommission allen europäischen Betreibern von Kernkraftwerken einen sogenannten „Stresstest“ auf. Mit diesem Test wurde untersucht, inwiefern ihre Anlagen extremen Naturphänomenen wie Erdbeben, Überschwemmungen und Tornados standhalten.

 

Dieser Test ergab, dass unsere Kernkraftwerke robust sind und extremen Bedingungen standhalten. Unter anderem ist dies der Konstruktion der Kraftwerke zu verdanken, die redundante (doppelte, Backup) und vielfältige Ausrüstungen vorsieht. Aber weil man es immer noch besser machen kann, wurden in Vereinbarung mit der FANC Verbesserungsmaßnahmen für die Betriebe Doel und Tihange mit einem Investitionsvolumen von 200 Millionen Euro festgelegt. Daher halten die Kernkraftwerke jetzt noch schwereren Erdbeben, noch höheren Wasserständen und noch extremeren externen Zwischenfällen stand.

 

Weitere Informationen finden Sie hier.

Was ist ein Notfallplan?

Für ENGIE Electrabel hat Sicherheit oberste Priorität. Sicherheit bedeutet auch, dass wir - davon abgesehen, dass wir Zwischenfälle nach Möglichkeit vermeiden - auch auf unvorhergesehene außergewöhnliche Ereignisse vorbereitet sein müssen. Alle im Falle eines unvorhergesehenen und außergewöhnlichen Zwischenfalls erforderlichen Maßnahmen werden in den Notfallplan aufgenommen. Im Notfall gibt es für uns drei vorrangige Prioritäten: die Sicherheit unsere Umgebung, das Wohlergehen unserer Mitarbeiter und die Stabilität unserer Anlagen.

 

Zuerst und vor allem sind wir auf Unfälle mit interner Ursache vorbereitet. Die Zwischenfälle, die sich in einem Kernkraftwerk theoretisch ereignen können, sind bekannt und detailliert beschrieben. Für jeden Zwischenfall existieren Verfahren, eine Notfallinfrastruktur und ein Schulungsprogramm für unsere Mitarbeiter.

 

Unsere Kernkraftwerke wurden bereits vor Jahren so konzipiert, dass sie externen Risiken wie etwaErdbeben und Überschwemmungen standhalten.

Wird der Notfallplan geübt?

In jeder Reaktoreinheit wird mindestens einmal jährlich ein Nuklearzwischenfall zur Übung simuliert. Daneben üben wir jährlich einmal mit der Polizei und einmal mit der externen Feuerwehr und führen Notfallplanübungen zu speziellen Themen durch. In der Praxis werden pro Standort jährlich etwa sechs bis sieben Notfallplanübungen mit verschiedenen Szenarios und verschiedenen Teilnehmern durchgeführt. Auf jede Übung folgt eine gründliche Auswertung mit möglicher Abstimmung der Arbeitsweisen. Auch hier arbeiten wir an permanenter Verbesserung.

Wer ist bei einem Zwischenfall wofür verantwortlich?

Die Notfallplanung und insbesondere die Maßnahmen bezüglich der Umgebung, der Bevölkerung, der Landwirtschaft usw. sind eine Angelegenheit von allgemeinem Interesse und fallen daher unter die Zuständigkeit des Staates. ENGIE Electrabel selbst ist für den sicheren Betrieb ihrer Anlagen und für eine schnelle und korrekte Informationsweiterleitung an den Staat verantwortlich.

 

In einem eventuellen Notfall sind die Kernkraftwerke also für die technische Beherrschung des Zwischenfalls vor Ort verantwortlich: mit anderen Worten dafür, den Zwischenfall so schnell wie möglich unter Kontrolle zu bringen. Außerdem sind sie auch verantwortlich für die Sicherheit und das Wohlergehen des Personals und eventueller Besucher, die sich während des Zwischenfalls auf dem Betriebsgelände befinden.

 

Wussten Sie übrigens, dass die Meldeschwellen in Belgien enorm niedrig liegen? Sobald die Hilfsdienste - aus welchem Grund auch immer - alarmiert werden (möglicherweise schon, weil jemandem schlecht wurde), müssen wir den offiziellen Meldekreislauf befolgen. Sobald ein Kraftwerk abschaltet, gilt das gleiche. In den Nachbarländern ist das nicht immer nötig. Auch aus diesem Grund werden wir manchmal häufiger in den Nachrichten erwähnt als andere Kernkraftwerke.

Bei einem Nuklearunfall ist das Krisenzentrum der Regierung dann für die Kommunikation und die Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung zuständig. Selbstverständlich geht dies mit einer konstanten Absprache zwischen den Experten der FANC und des Kernkraftwerks einher.

Wie ist die Haftung bei einem Unfall geregelt?

Die Haftung des Kernkraftwerkbetreibers in Belgien ist gesetzlich festgelegt. Electrabel erfüllt diesbezüglich vollständig ihre gesetzlichen Verpflichtungen und hat eine Haftpflichtversicherung beim belgischen Syndikat für Nuklearversicherungen (SYBAN) über 1,2 Milliarden Euro abgeschlossen. In diesem Rahmen wurden in der Vergangenheit außerdem auch internationale Vereinbarungen getroffen. Alles ist also gesetzlich geregelt.

 

Falls der Nuklearschaden 1,2 Milliarden Euro übersteigt, sieht das gesetzliche System vor, dass eine Entschädigung vom belgischen Staat oder anderen Mitgliedstaaten gezahlt wird, die an den Pariser Vertrag gebunden sind. Dies gilt übrigens auch für die Kernkraftwerke in unseren Nachbarländern.