Kernkraftwerke und die Umwelt

Kernkraftwerke tragen in hohem Maße zur Begrenzung von Treibhausgasemissionen bei. Doch wie jede andere industrielle Aktivität hinterlassen auch Kernkraftwerke Spuren in der Umwelt. Neben den klassischen Problemen, mit denen auch andere Stromkraftwerke konfrontiert sind, haben es Kernkraftwerke mit einer sehr spezifischen Problematik zu tun: Radioaktivität und radioaktiver Abfall. In unseren Kernkraftwerken Doel und Tihange ergreifen wir zahlreiche Maßnahmen, um die Umweltbelastung durch unsere Aktivitäten zu verringern.
Die Kernkraftwerke gehören zu den 73 registrierten EMAS-Standorten in Belgien
Die Kernkraftwerke gehören zu den 73 registrierten EMAS-Standorten in Belgien

Das EMAS-Umweltmanagementsystem: kontinuierliche Verbesserung

Unsere beiden Kernkraftwerke gehören zu den 73 EMAS-registrierten (Eco-Management and Audit Scheme) Unternehmen in Belgien. Dies bedeutet, dass sie ein Umweltmanagementsystem verwenden, das auf die kontinuierliche Verbesserung ihrer Umweltleistung abzielt. In diesem Rahmen wird jährlich eine Umwelterklärung veröffentlicht. Diese enthält eine Beschreibung der ökologischen Auswirkungen der eigenen Aktivitäten und der ergriffenen Maßnahmen, die die Sicherheit gewährleisten, die Umwelt schonen und das Wohlergehen der Mitarbeiter schützen sollen.

Die Daten werden um Umweltergebnisse und -ziele ergänzt, darunter auch die Produktion und Bewirtschaftung radioaktiver Abfälle und Ableitungen. Wann immer die Auswirkungen wesentlich sind, wird ein Aktionsplan ausgearbeitet, um die Folgen zu begrenzen.

Serge Dauby, Kommunikationsbeauftragter Tihange: „Der Umweltschutz hat Priorität im Kraftwerk Tihange. Unabhängig davon, ob es um die Senkung des Papier-, Wasser- oder Energieverbrauchs oder die Begrenzung von Lärmbelästigung geht, erfolgt jedes Mal eine äußerst sorgfältige Analyse der Fakten. Im Anschluss werden im Bedarfsfall die erforderlichen Abhilfemaßnahmen eingeleitet. Die Aussicht unseres Standorts ändert sich fortwährend gemäß den jeweiligen Projekten, wie der Anpflanzung ‚nachhaltiger‘ Vegetation oder der Installation von Bienenkörben. Die EMAS-Registrierung ist zweifellos ein Katalysator, der uns beständig ermutigt, neue Maßnahmen zu entwickeln und Beschlüsse zu treffen, die der Umwelt zum Vorteil gereichen.“

Umwelterklärung Doel

Umwelterklärung Doel

Umwelterklärung (Archive)

Lesen Sie unsere Umwelterklärung 2016
Umwelterklärung Tihange

Umwelterklärung Tihange

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Lesen Sie unsere Umwelterklärung 2016

Mit die niedrigsten CO2-Emissionen – dank Kernenergie

67% der Stromerzeugungskapazität von ENGIE Electrabel verursacht keinen CO2-Ausstoß. Das ist insbesondere den Kernkraftwerken zu verdanken. Genau wie erneuerbare Energien zählt auch Kernenergie zu den Energieformen, die am wenigsten CO2 ausstoßen. Entsprechend trägt Kernenergie in hohem Maße zur Bekämpfung des Klimawandels bei.

59% der Elektrizität, die ENGIE Electrabel erzeugt, ist CO2-frei. Das ist in erster Linie das Verdienst der Kernkraftwerke Doel und Tihange, die zusammen eine jährliche Einsparung von 20 Millionen Tonnen CO2 ermöglichen (im Vergleich zu modernen Erdgaskraftwerken). Aus diesem Grunde zählt unser Erzeugungspark so wenig CO2 wie kaum ein anderer in Europa.

ranking CO2

Radioaktive Ableitungen und radioaktive Abfälle: verantwortungsbewusster Umgang mit einer besonderen Problematik

Ein Kernkraftwerk produziert radioaktive Ableitungen und Abfälle, in denen Substanzen enthalten sind, die ionisierende Strahlen abgeben. Je nach ihrer Gefahrenstufe werden diese Substanzen auf verschiedene Weise behandelt.

Radioaktive Ableitungen

Auch mit den besten verfügbaren Einschluss- und Filterungstechniken ist es derzeit nicht möglich, gasförmige radioaktive Ableitungen (die Jod, Edelgase, Aerosole und Tritium enthalten, die bei der Kernspaltung entstehen) zu 100% zu vermeiden. Gleichwohl halten sich die Ableitungen sehr in Grenzen und bleiben weit unter den zulässigen gesetzlichen Höchstwerten. Um die Radioaktivität sinken zu lassen, erfolgt eine Lagerung in Tanks. Erst wenn die Radioaktivität so weit abgeklungen ist, dass sie keine Gefahr mehr für die Umwelt darstellt, werden die Stoffe in die Atmosphäre abgelassen.

Bei der Reinigung und chemischen Konditionierung der Nuklearkreisläufe werden flüssige radioaktive Stoffe freigesetzt, die vor ihrer Ableitung eine physisch-chemische Behandlung durchlaufen. Diese setzt die Radioaktivität so weit wie praktisch möglich herab. Genau wie bei den gasförmigen Ableitungen bleibt diese Stufe deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten.

Radioaktive Abfälle

Radioaktive Abfälle werden in 3 Kategorien eingeteilt. Maßgeblich sind ihre Halbwertszeit und ihre Radioaktivität.

Hochradioaktive Abfälle durch bestrahlte Brennstoffe

Hochradioaktive Abfälle durch bestrahlte Brennstoffe

Für bestrahlte Brennstoffe gibt es derzeit zwei Lagerungsverfahren: entweder unter Wasser in einem Abklingbecken (Tihange) oder trocken in Containern (Doel), die sich am Standort unserer Kernkraftwerke befinden. Längerfristig werden die Brennstoffe – je nachdem, welchen Status die Regierung bestrahlten Brennstoffen zuordnet – entweder der Wiederaufbereitung in einer entsprechenden Anlage oder einem Zentrum für Konditionierung und Lagerung zugeführt.

Für die Bewirtschaftung radioaktiver Abfälle ist die NIRAS (Nationale Einrichtung für radioaktive Abfälle und angereicherte Spaltmaterialien) zuständig.
Schwach und mittel radioaktive Abfälle

Schwach und mittel radioaktive Abfälle

Die Begrenzung der Mengen an schwach und mittel radioaktiven Abfällen bleibt das ständige Ziel unserer Kernkraftwerke. Die Mengen hängen jedoch von geplanten Wartungsarbeiten und -projekten ab. 2015 haben die Kernkraftwerke Doel und Tihange 147 m³ an schwach und mittel radioaktiven Abfällen produziert.

Wir verfügen über Anlagen vor Ort, mit denen die meisten Abfälle vor der Entsorgung vorbehandelt werden können.

Wasserfilter, schwach radioaktive Harze und Schlamm werden in speziellen Abfallfässern mit Beton vermischt. Auf diese Weise bilden die Abfälle mit dem Beton eine chemisch stabile Struktur. Diese Immobilisationstechnik wird auch als „Konditionierung“ bezeichnet. Die Fässer werden vorübergehend am Standort gelagert, bevor sie zu der Entsorgungsfirma Belgoprocess verbracht werden.

Sonstige feste und kompressible Abfälle werden komprimiert und zur weiteren Verarbeitung ebenfalls zu Belgoprocess transportiert.

Lesen Sie die Unterlagen des Nucleair Forum über radioaktiven Abfall

 

Hätten Sie's gewusst? In Belgien sind die NIRAS (Nationale Einrichtung für radioaktive Abfälle und angereicherte Spaltmaterialien) und ihre Tochtergesellschaft Belgoprocess für die Bewirtschaftung radioaktiver Abfälle zuständig. 99% des gesamten Volumens an radioaktiven Abfällen besteht aus schwach und mittel radioaktiven Abfällen.